| Achtung, schwarze Katze Ein Restaurant beschwört ein Moskau herauf, das es so nur im Fernsehen gab Moskauer Deutsche Zeitung 2010-07-28 | Autor: Alexandra Poljakowa Foto: Alexandra Poljakowa, gazduma.ru |
„Schade, dass Sie nicht im Winter gekommen sind, da trage ich eine echte Uniform“, sagt Konstatin zur Begrüßung. Er ist Restaurantmanager und will — ganz im Agentenstil — seinen vollständigen Namen nicht preisgeben. Man braucht den Mann wirklich nicht zwingen, sich in der Moskauer Hitze in eine Dienstkluft zu zwängen. Das „Tschjornaja Koschka“ in der Woronzowskaja-Straße ist nicht zu verfehlen. Retro-Klänge dudeln von der Schallplatte. Wenn die Musik stoppt, funkt ein sowjetisches Radio. „Menschen, die den Film nicht gesehen haben, werden nicht verstehen, warum das Restaurant aussieht, wie es aussieht“, sagt Konstantin. Wer das „Tschjornaja Koschka“ betritt, fühlt sich in das Moskau der Nachkriegszeit zurückversetzt — und in die Serie „Mesto wstretschi izmenit nelzja“, die diese Zeit zum Kult verklärte. Im Foyer hängen Fotos des Regisseurs Stanislaw Goworuchin und der bekanntesten Schauspieler, der Gebrüder Georgij und Arkadij Wajner. Der Regisseur selbst, berichtet Konstantin, habe die Originalfotos gestiftet, die Wajners seien sogar mal zu Gast gewesen. Auf die Wand ist eine Katze mit Buckel gezeichnet. Im Film hinterließ die Verbrecherbande am Tatort genau so ein Zeichen. Wer von einer Gaunerlaufbahn träumt, kann im „Tschjornaja Koschka“ noch etwas lernen. Dort wird erklärt, was welche Tätowierung bedeutet, welcher Dietrich in welches Schloss passt. Auf Detailtreue wird in den Speisesälen viel Wert gelegt. Das Grün an den Wändern schimmert genauso wie im Dienstzimmer des Film-Kriminalisten Gleb Scheglow. Über der Bar hängen Saxofon und Trompete. „Schließlich waren die Diebe sehr musikalisch“, sagt Konstantin. Und auch wenn die jüngeren Gäste diesen Aufwand nicht zu würdigen wissen. „Die kommen, um die Sowjetatmosphäre zu spüren.“ Wer den Film nicht gesehen hat, erhält Nachhilfe. Täglich zweimal werden alle fünf Folgen gezeigt. An einem Wochentag ist das Restaurant nur spärlich besetzt. In einer Ecke besprechen Geschäftsmänner auf Französisch den nächsten Deal, in einer anderen steigt eine Familienfeier. Am Wochenende ist das „Tschjornaja Koschka“ aber meistens ausgebucht. „Sehr viele Gäste haben mal bei der Polizei gearbeitet“, sagt Konstantin. Dann lächelt er verschwörerisch. „Und einige scheinen von der Gegenseite zu kommen.“ Der Manager tut alles, um den Geist der geheimnisumwitterten Vergangenheit heraufzubeschwören. |