| Nächster Halt: Ferner Osten Buchtipp: Alte Reise neu erlebt Moskauer Deutsche Zeitung 2010-07-25 | Autor: Susanne Kögl Foto: |
Es ist das Jahr 1903. Die Geburtsstunde der legendären Transsibirischen Eisenbahn, der Schienenstrecke, die Moskau mit den Pazifikhäfen Dalnij und Wladiwostok verbindet. Den damals 52-jährigen Eugen Zabel ergreifen sofort Neugier und Reisefieber. Nach kurzer Planung packt der deutsche Journalist und Russlandfreund seine Sachen und macht sich von Berlin aus auf die lange Reise in den fernen Osten – alles per Zug natürlich. „In wenigen Wochen durch zwei Drittel Europas und ganz Asien zu rollen, hatte etwas Hypnotisierendes und phantastisch Aufregendes. Jeder musste sich sagen, dass für den Weltverkehr nunmehr eine neue Stunde geschlagen habe“, schreibt Eugen Zabel. Seine Erlebnisse und Eindrücke dieser Reise schildert der Autor ausführlich in seinem Buch „Transsibirien. Mit der Bahn durch Russland und China – 1903“. Bis ins kleinste Detail beschreibt er das total verstimmte Piano im Speisewagen, den mitreisenden Bankdirektor, der nie seine Geige aus der Hand legt und die schier endlosen sibirischen Blumenwiesen, auf denen Honigtau wächst. Der Leser fühlt sich in die damalige Zeit hineinversetzt, er kann sich die gesamte Reise deutlich vorstellen und jede Etappe – von Moskau über den Baikalsee bis nach Shanghai – klar nachvollziehen. Aber nicht nur die optische Abwechslung fehlt dem Buch, es kommt leider auch keine wirkliche Spannung auf. Potenziell interessante Geschichten über Überfälle und Zusammenstöße mit bewaffneten Soldaten erwähnt Zabel nur nebenbei. Wichtiger scheint es ihm, die Atmosphäre der Fahrt einzufangen. Das ist ihm auf jeden Fall gut gelungen. Wer eine gute Reise- oder Urlaubslektüre sucht und sich nebenbei ein bisschen geschichtlich bilden will, ist mit diesem Buch gut beraten. Eugen Zabel: Transsibirien. Mit der Bahn durch Russland und China - 1903. Frederking u. Thaler. Neuauflage 2008. 265 Seiten. ISBN: 3-492-40289-5 |