| Deutschland wirbt um Moskaus Studenten Die deutsche Hochschullandschaft präsentierte sich auf der „Education and Career“ Moskauer Deutsche Zeitung 2006-12-02 | Autor: Stefan Schwan, Laura Paul Foto: Laura Paul |
Die über 20 deutschen Hochschulen, die ihre Angebote auf der Moskauer Messe vorstellten, waren bereits kurz zuvor in Nowosibirsk mit der Hi!Potentials-Tour 2006 gestartet. Besonders stark vertreten waren dabei die Technischen Hochschulen, von denen neun erstmals gemeinsam unter dem Namen T9 auftraten. Dass Guido Hildner, Kulturattaché der deutschen Botschaft, die Messe als Ehrengast mit eröffnete, unterstrich das hohe Gewicht deutscher Hochschulen in der Zusammenarbeit mit Russland.
Die Besucher der Messe — Studenten, Dozenten und weitere Interessierte — konnten drei Tage lang die verschiedensten Vorträge besuchen und direkte Kontakte zu Vertretern der Hochschulen, Bildungszentren und Institute knüpfen. Lebendig und diskussionsfreudig ging es dabei zu, nicht nur an den Ständen der deutschen Repräsentanten. In Bezug auf den Studienort Deutschland richtete sich das Interesse in erster Linie auf die neuen Masterstudiengänge und englischsprachigen Angebote der deutschen Hochschulen. Häufig kam dabei auch die Frage nach denen neuen Studiengebühren auf. Die besorgten Gesichter hellten sich in der Regel jedoch auf, wenn die Interessenten erfuhren, dass die Gebühren generell bei nicht mehr als 500 Euro pro Semester liegen, während sie an den Moskauer Hochschulen Beträge zwischen 1 500 bis 2 000 Euro im Jahr erreichen. In vielen ostdeutschen Universitätsstädten, von denen die meisten langjährige Kontakte nach Russland pflegen, liegen zudem auch die Lebenshaltungskosten häufig unterhalb derer in Moskau. So ist es nicht verwunderlich, dass es neben den Anfragen nach Stipendien immer mehr Beratungsbedarf bei den so genannten Selbstzahlern gab. Über Fragen wie zur privaten Visabeschaffung konnten sie auf der Messe mit Vertretern der Deutschen Botschaft sprechen.
Auch der DAAD als Mitorganisator der „Education and Career“ war nicht nur mit seinen Stipendienprogrammen präsent, sondern informierte allgemein zum Hochschulstandort Deutschland. Angesicht der zunehmenden internationalen Konkurrenz im Bildungssektor verstärken deutsche Hochschulen seit 2001 im Hochschulkonsortium GATE Germany unter Federführung des DAAD ihre Bemühungen, Studierende im Ausland anzuwerben. Zugpferd ist die Marke Hi!Potentials. Russland ist in diesem Kontext besonders wichtig, denn das Interesse russischer Studenten und Wissenschaftler an Deutschland ist groß. Inzwischen studieren über 10 000 Russen an deutschen Hochschulen und bilden damit die wichtigste ausländische Studierendengruppe. Entgegen den russischen Befürchtungen, die geistige Elite des Landes könne immer mehr abwandern, kehren die meisten Studenten nach einem Auslandsaufenthalt mit guten Jobaussichten nach Russland zurück.
Die deutschen Teilnehmer der „Education and Career“ zogen ein überwiegend positives Fazit. Zwar sei die Zahl der Besucher in diesem Jahr etwas geringer gewesen, was die Interessenten bei dieser Messe jedoch auszeichnete, seien die sehr kompetenten Fragen gewesen, betont Gudrun Matthies, Leiterin des Auslandsamtes der TU Ilmenau. Sie bezeichnet die Messe als „sehr guten Multiplikator.“ „Man trifft hier auf viele russische Studenten und Vertreter von Universitäten. Es ist vor allem eine gute Möglichkeit, sich mit den deutschen Kollegen auszutauschen. Ich sehe die Messe deshalb nicht nur als reines Marketing, sondern in erster Linie als Erfahrungsaustausch“, so Matthies. Auch Bertram Heinze, Vertreter der Helmholtz-Gesellschaft in Moskau, unterstreicht, dass der Großteil von Besuchern sehr gut vorbereitet gewesen sei. „Viele kamen mit ganz klaren Vorstellung und Plänen“, so Heinze. Es habe außerdem genug Möglichkeiten gegeben, durch direkten Kontakt Aspiranten für sich zu gewinnen, Partnerorganisationen zu besuchen und die Kooperationsarbeit zu festigen. Vor allem die deutschen Sprachzentren fanden in diesem Jahr ihre Ansprechpartner. Matthias Jung, Vorstandsmitglied des erstmals vertretenen Fachverbandes „Deutsch als Fremdsprache“, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Messe, denn: „Auch wenn es inzwischen in Deutschland viele englischsprachige Angebote gibt, kommt dem Erlernen der deutschen Sprache nach wie vor eine wichtige Bedeutung zu“, so Jung. Im Anschluss an die Messe besprachen die deutschen Teilnehmer die weitere Perspektive der Präsentation deutscher Bildungsangebote im Rahmen der Moskauer Messe. Die Veranstalter der „Education and Career“ wollen ihrerseits wie bereits bei dieser Messe die EU-Länder stärker gesondert präsentieren. Eine eigene EU-Bildungsmesse oder gar eine rein deutsche Hochschulmesse in Moskau? Das ist noch Zukunftsmusik. |