Die Sehnsucht nach der Sowjetzeit verschwindet nicht. Zumindest nicht die nach den Filmen der guten alten Zeit. Der Krimi „Mesto wstretschi izmenit nelzja“ („Der Treffpunkt darf sich nicht ändern“) gehört zu den Klassikern, die nostalgische Gefühle aufkommen lassen. In der fünfteiligen Fernsehserie fahnden zwei Beamte der Moskauer Kriminalpolizei, Gleb Scheglow und Wolodja Scharapow, nach der Bande „Tschjornaja Koschka“ (Schwarze Katze). Als der spannende Film 1979 über die Bildschirme flimmerte, wurden seine Helden zu Idolen der Jugend, die Dialoge sind legendär. In Moskau hat die Serie beinahe ein eigenes Museum — das Restaurant „Tschjornaja Koschka“. Hier fühlen sich Besucher zurückversetzt in das verruchte Moskau der 40er Jahre.
„Schade, dass Sie nicht im Winter gekommen sind, da trage ich eine echte Uniform“, sagt Konstatin zur Begrüßung. Er ist Restaurantmanager und will — ganz im Agentenstil — seinen vollständigen Namen nicht preisgeben. Man braucht den Mann wirklich nicht zwingen, sich in der Moskauer Hitze in eine Dienstkluft zu zwängen. Das „Tschjornaja Koschka“ in der Woronzowskaja-Straße ist nicht zu verfehlen. Retro-Klänge dudeln von der Schallplatte. Wenn die Musik stoppt, funkt ein sowjetisches Radio. „Menschen, die den Film nicht gesehen haben, werden nicht verstehen, warum das Restaurant aussieht, wie es aussieht“, sagt Konstantin.
Wer das „Tschjornaja Koschka“ betritt, fühlt sich in das Moskau der Nachkriegszeit zurückversetzt — und in die Serie „Mesto wstretschi izmenit nelzja“, die diese Zeit zum Kult verklärte. Im Foyer hängen Fotos des Regisseurs Stanislaw Goworuchin und der bekanntesten Schauspieler, der Gebrüder Georgij und Arkadij Wajner. Der Regisseur selbst, berichtet Konstantin, habe die Originalfotos gestiftet, die Wajners seien sogar mal zu Gast gewesen. Auf die Wand ist eine Katze mit Buckel gezeichnet. Im Film hinterließ die Verbrecherbande am Tatort genau so ein Zeichen.
Alles an diesem Ort ist ungewöhnlich. Die Bar sieht aus wie eine Straßenbahn, die Rechnung heißt Strafgesetzbuch, die Speisekarte Kriminalakte. Darauf stehen typische Gerichte der Sowjetzeit — von Pelmeni bis zur Schwarzmeerbarbe. Die Kellnerin, die den Teller bringt, trägt ein Kleidchen mit Blumen und Rüschen. An den Wänden, in den Regalen gibt es kaum einen freien Fleck. Alte Fotoapparate stehen dort, eine klapprige Schreibmaschine. An die Decke hat jemand berühmte Filmsprüche geschrieben. Zum Beispiel diesen hier: „Die Sicherheit eines Landes hängt nicht von der Zahl der Diebe ab, sondern davon, wie der Staat sie unschädlich macht.“
Wer von einer Gaunerlaufbahn träumt, kann im „Tschjornaja Koschka“ noch etwas lernen. Dort wird erklärt, was welche Tätowierung bedeutet, welcher Dietrich in welches Schloss passt. Auf Detailtreue wird in den Speisesälen viel Wert gelegt. Das Grün an den Wändern schimmert genauso wie im Dienstzimmer des Film-Kriminalisten Gleb Scheglow. Über der Bar hängen Saxofon und Trompete. „Schließlich waren die Diebe sehr musikalisch“, sagt Konstantin. Und auch wenn die jüngeren Gäste diesen Aufwand nicht zu würdigen wissen. „Die kommen, um die Sowjetatmosphäre zu spüren.“ Wer den Film nicht gesehen hat, erhält Nachhilfe. Täglich zweimal werden alle fünf Folgen gezeigt.
An einem Wochentag ist das Restaurant nur spärlich besetzt. In einer Ecke besprechen Geschäftsmänner auf Französisch den nächsten Deal, in einer anderen steigt eine Familienfeier. Am Wochenende ist das „Tschjornaja Koschka“ aber meistens ausgebucht. „Sehr viele Gäste haben mal bei der Polizei gearbeitet“, sagt Konstantin. Dann lächelt er verschwörerisch. „Und einige scheinen von der Gegenseite zu kommen.“ Der Manager tut alles, um den Geist der geheimnisumwitterten Vergangenheit heraufzubeschwören.