Herr Kowalew, können Sie russischen mittelständischen Unternehmen den Einstieg in Deutschland empfehlen?
Wenn es um den Lebensmittelbereich geht — nie im Leben.
Aber Sie sind selbst seit über zehn Jahren auf diesem Gebiet in Deutschland tätig.
Ja, und nach einem Jahr wollte ich dicht machen. Der deutsche Markt ist verdammt schwierig. 50 Prozent werden von Discountern kontrolliert. Wenn man Produkte einführt, ist der Zoll sehr teuer. Da kann man preismäßig gar nicht mithalten. Ich kann nur jedem Unternehmer raten, vorher lange und professionell zu analysieren. Wissen Sie, wie viele russische Unternehmer mit Wurstwaren auf den deutschen Messen auftauchen, ohne eine Ahnung davon zu haben, dass es in der EU ein Verbot für den Import fleischhaltiger Waren aus Drittländern gibt?
Man hört doch immer wieder von russischen Unternehmern, die bei deutschen Firmen einsteigen. Haben die alle nicht richtig analysiert?
Ich sage ja nicht, dass es total sinnlos ist. Mit einem guten Produkt, etwas Unvergleichbarem und einer guten Vertriebsidee kann man hier in die Produktion gehen. Derzeit kann man in Deutschland sogar sehr günstig Produktionsstätten kaufen.
Sie produzieren seit fünf Jahren in einem eigenen Werk Tiefkühl-Pelmeni. Das ist ein langer Weg für jemanden, der auszog, um den Deutschen Wodka zu verkaufen.
Ich habe mich 1998 in den deutschen Supermärkten mit zwei Produkten vorgestellt: Dovgan-Wodka und Krimsekt. Ich dachte damals wirklich, ganz Europa, die ganze Welt hat nur darauf gewartet.
Was haben die Marktleiter gesagt?
Die sagten, das haben wir alles schon.
Das war die Zeit, in der Sie aufgeben wollten?
Der Durchbruch kam auf der Anuga-Messe in Köln 1999. Wir haben unter dem Motto „Russische Ess- und Trinkkultur“ ein Regal zusammengestellt mit etwa 80 Produkten: russische Majonäse, Honig, Buchweizen und so weiter. Die Supermarktketten — Kaufland, Real, Rewe, Metro — fanden das gut und haben uns Platz in ihren Regalen angeboten.
Sind Sie stolz darauf, das russische Essen in die deutschen Supermärkte gebracht zu haben?
Ich finde, wir sind noch weit von unserem Potenzial entfernt.
Warum?
Mein Traum wäre es, dass bei jeder dritten oder vierten deutschen Familie einmal in der Woche etwas Russisches auf dem Tisch steht. Eine Kleinigkeit, russisches Schwarzbrot oder Kaviar. Wir wollen zu den Leuten nach Hause. Leider haben die Russen in Deutschland kein gutes Image. Darunter leiden auch die Produkte.
Liegt das an dem Image oder daran, dass es einigen Leuten einfach nicht schmeckt? An Buchweizen, Gretschka, scheiden sich ja bekanntlich die Geister.
Buchweizen ist tatsächlich ein Problem. Es ist einfach nicht das Produkt, das bei Frau Schmidt oder bei Frau Müller auf dem Einkaufszettel steht. Wir haben aber zum Glück Waren, die sind von den Deutschen akzeptiert. Fischkonserven, also Rigasprotten, und Pelmeni gehören dazu. Es gibt sogar Sachen, da greifen die Deutschen eher zu, als die Russen.
Und das wäre?
Krimsekt. Der ist den Russen oft zu teuer. Sie nehmen Asti-Spumante und sind glücklich mit dem süßen Geschmack für 3,50 Euro.
Sie sind seit über zehn Jahren in Deutschland. Was gibt es bei Ihnen zu essen, Bratkartoffeln oder Gretschka?
Ich mische. Gerne auch mit italienischen oder asiatischen Gerichten. Dann gibt es russisches Essen und einen Chianti dazu oder Spaghetti mit eingelegtem russischem Bärlauch. Aber eines muss fast immer sein: zum Nachtisch eine Portion russisches Plombir-Eis.