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Abenteuer in Hong Kong
Ein Börsengang soll Rusal und seinen hochverschuldeten Besitzer retten
MDZ 2010-02-02
Autor: Roman Schell
Foto: Rusal
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Ende Januar ging der weltgrößte Aluminiumkonzern United Company (UC) Rusal als erstes russisches Unternehmen seit Ausbruch der Finanzkrise an die Börse. Vorher informierte der Industrieriese potenzielle Anleger über die Schattenseiten seiner Geschäfte: Gerichtsverhandlungen, ein riesiger Schuldenberg und Zweigstellen in Steueroasen. Der Börsenstart war nicht eben verheißungsvoll. Rusal-Aktien verloren umgehend an Wert.


Oleg Deripaska, 42 Jahre alt, ist ein Meister der Überraschungen. Und dennoch mag man kaum glauben, dass Deripaskas Unternehmen, der Aluminiumproduzent UC Rusal, als erster russischer Konzern seit Beginn der internationalen Wirtschaftskrise den Gang auf die internationale Börse wagt. Rusal halbierte bis zum Sommer 2009 innerhalb von sechs Monaten seinen Umsatz. Dem Eigentümer ging es kaum besser. Deripaska war vor eineinhalb Jahren noch der reichste Russe, inzwischen hat er die Renovierung seines Hauses auf Eis gelegt — Sparen ist angesagt.


In dieser Situation also geht Rusal an die Börse, genauer gesagt an die Hong Kong Stock Exchange. Industrietycoon Deripaska bringt 10,81 Prozent Firmenanteile auf den Markt und rechnet mit einem Erlös von bis zu 1,8 Milliarden Euro. Er wird fast 48 Prozent Aktien behalten — und weiterhin Chef bleiben.


Ein ambitionierter Plan. Dabei birgt ein Aktienkauf einige Risiken, über die Rusal seine potenziellen Anleger in dem Emissionsprospekt informiert. „Rusal kann wegen der Schuldenlast von 11,8 Milliarden Euro pleite gehen“, warnt Oleg Petropawlowskij, Analyst beim Investmentberater „Broker Credit Service“. Doch durch den Börsengang könne das Unternehmen seinen Schuldenberg wenigstens teilweise abtragen. Außerdem benötige die Firma Unterstützung für ihre größten Projekte. Dabei geht es um den Bau von zwei Aluminiumwerken in den Regionen Irkutsk und Krasnojarsk. „Auch der Preis für Aluminium macht aus dem Aktienkauf ein Abenteuer für Anleger“, sagt Petropawlowskij. Hinzu komme, dass Rusal wegen Steuerhinterziehung angeklagt werden könnte. Der Prospekt zum Börsengang zeigt: Der Branchenführer nutzt Steueroasen, um den Fiskus zu umgehen. „Sollte der Metallriese in Ungnade fallen, ist eine neue Yukos-Geschichte nicht auszuschließen“, sagt Oleg Petropawlowskij.


Die Chancen für einen erfolgreichen Börsengang sind dennoch gut. Ein Einstieg bei Rusal, das zwölf Prozent der weltweiten Nachfrage nach Aluminium abdeckt, ist verlockend. Das russische Unternehmen glänzt mit einem unschlagbaren Selbstkostenpreis für seine Produkte. Pro Tonne Aluminium veranschlagt Rusal etwa 840 Euro. Beim US-amerikanischen Konkurrenten Alcoa sind es 1 260 Euro und beim chinesischen Chalco gar 1 340 Euro. Die Russen können so billig produzieren, weil sie den Strom preiswerter kriegen. Eine weitere gute Nachricht für Rusal: Seit Beginn des Jahres ist der Aluminiumpreis wieder um fünf Prozent gestiegen. 2010 will der Metallriese einen Gewinn von 210 Millionen Euro erzielen.


Rusal haben die guten Beziehungen zur russischen Regierung über die Krise geholfen — und sie helfen weiterhin. Die Geldinstitute stehen voll auf der Seite des Aluminiumproduzenten. Die staatliche Vnechekonombank VEB überwies zu Beginn der Krise 3,15 Milliarden Euro an Rusal. Die Sberbank will die Rückzahlung an die VEB sichern. Für die Anleger ist klar, dass die Machthaber das Unternehmen nicht untergehen lassen werden. Hong Kong dürfte ein guter Ort für Oleg Derispaskas Abenteuer sein. Der Rohstoffhunger Chinas sollte in den kommenden Jahren ungebrochen bleiben.
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