VertriebsstellenPrintausgabeThemenhefteRedaktionspraktikumMediendatenKontaktAbonnement

Ressorts
POLITIK
WIRTSCHAFT
MARKTPLATZ
GESELLSCHAFT
REGIONEN RUSSLANDS
RUSSLANDS NACHBARN
FEUILLETON
SPORT
LEBEN IN MOSKAU
MEINUNG UND MEDIEN
FOTOREPORTAGE
GESCHICHTE
ZEITGESCHEHEN
ARCHIV
Московская Немецкая Газета
Am Mikrofon

Vertriebsstellen online

Meinungsumfrage
Was können Deutsche von Russen lernen?
Lebensfreude
Improvisationsvermögen
Familiensinn
Musikalität
Großzügigkeit
Religiösität
Tradiertes Rollenverständnis von Mann und Frau
Wertschätzung von sozialer Gleichheit und Sicherheit zu Ungunsten von Markt und Freiheit
Politische Machtvertikale
Nichts von alledem


View results



Schwarzes Gold verliert an Wert
Trotz Talfahrt des Ölpreises geht Russland seinen eigenen Weg
MDZ 2008-10-15
Autor: Christine Auerbach
Foto: Archiv
[Druckversion]

Er steigt, er fällt, er klettert, er sinkt – der Preis kaum eines anderen Wirtschaftsgutes unterliegt derartigen Schwankungen wie der des Erdöls. Nach einem rasanten Absturz in den vergangenen drei Monaten steht er jetzt so tief wie seit Anfang des Jahres nichts mehr. Gerade einem Land wie Russland, das einen Großteil seines Reichtums den Öl- und Gasexporten verdankt, bereitet dieser Preissturz Schwierigkeiten. Die wirkliche Krise steht jedoch noch bevor, sagen Experten. Eine Mitgliedschaft in der OPEC kommt für Russland trotzdem nicht in Frage.


Folgt man den Händen von Boris Kagarlizkij, wird klar, was der Ölpreis ist: eine riesige Blase, die gerade – hier öffnen sich seine Hände und die Finger schnalzen ruckartig auseinander – zerplatzt. Aufgepustet durch Spekulanten, erklärt der Direktor des Moskauer Instituts für Globalisierungsprobleme (IGSO), ist diese Blase immer größer geworden und nun in der weltweiten Finanzkrise zerborsten. Viele Entwicklungen auf dem Finanzmarkt, wie die Spekulation mit Immobilien oder Krediten, seien solche Blasen. Der aufgeblähte Immobilienhandel in den USA führte nun zur Finanzkrise, in deren Folge auch der Ölpreis sinkt.


Betrachtet man den Ölpreis weniger prosaisch als der Institutsdirektor, sehen die Fakten so aus: Noch im Sommer prognostizierten die meisten Experten einen weiter steigenden Preis. Anfang Juli hatte das Barrel auf dem Weltmarkt seinen bisher höchsten Stand erreicht: 147 US-Dollar. Gasprom-Chef Alexej Miller sprach für das kommende Jahr gar von einem Barrelpreis von 250 US-Dollar. Die Exportzölle für das russische Erdöl waren nach dem Preisanstieg im Juli erhöht worden. Insgesamt kassierte Russland im Sommer durch Öl-Exporteinnahmen rund eine Milliarde Dollar pro Tag. Doch die Zeiten dieser Superprofite sind vorbei. Anfang Oktober musste man für ein Barrel Öl nur noch gute 90 Dollar auf den Tisch legen. Die Finanzkrise setzt der Weltwirtschaft und damit auch dem Erdölpreis zu, die Experten müssen ihre Prognosen nach unten korrigieren. Dauerhafte Preise von unter 100 US-Dollar pro Barrel halten nun viele für realistisch.


Für Russland, das einen Großteil seiner Devisenreserven und seines Reichtums auf den Geldern aus Öl- und Gasexporten aufbaut, heißt das Einbußen. Wenn das Barrel im Laufe der nächsten Monate wirklich bis auf 40 Dollar fällt, wie es laut den schwärzesten Prognosen heißt, „steht die Krise erst noch bevor“, sagt Boris Kagarlizkij. Infolge der Finanzmarktturbulenzen und der Schwäche der Währungen Euro und Pfund, aus denen ein Teil der russischen Reserven besteht, sind diese schon jetzt um 40 Milliarden Dollar geschrumpft, wie es aus dem Investmenthaus Troika Dialog heißt. Für einen ausgeglichenen Staatshaushalt darf der Barrelpreis die 75 Dollar-Grenze nicht unterschreiten.


Dem Kreml ist also sehr daran gelegen, die Rohstoffpreise auf dem Weltmark stärker zu beeinflussen. In die OPEC, die Gemeinschaft erdölfördernder Länder, will Russland jedoch nicht eintreten. Vergangenen Monat hatte die Gemeinschaft Moskau die Mitgliedschaft angeboten, doch der Kreml strebt statt eines Beitritts lieber eine enge Kooperation an, bei der Russland eigenständig bleibt. Russland will nach wie vor selbst seine Fördermengen bestimmen, während die OPEC, die 13 erdölfördernde Länder unter sich vereinigt und 40 Prozent der Weltproduktion an Öl erwirtschaftet, strenge Förderquoten für ihre Mitgliedsländer hat. Durch das Senken oder Anheben der geförderten Erdölmenge kann das Kartell die Preise auf dem Weltmarkt steuern. Für die Zukunft, so Energieminister Schmatko, sei geplant, neue Reservefelder zu erschließen, die nach Bedarf ein- und abgeschaltet werden können. So will Russland auf den Ölpreis einwirken. Für diese Pläne sollen die Mittel zur Erkundung neuer Ressourcen und Bodenschätze langfristig verdoppelt werden: Von 270 Milliarden Rubel 2005 auf 544 Milliarden Rubel 2020, so die Zahlen aus dem dafür zuständigen Umweltministerium.


Auch wenn Russland an einer Mitgliedschaft in der OPEC derzeit wenig interessiert ist, streckt Moskau seine Fühler aus und sucht jenseits bekannter Fährten neue Wege. Gasprom-Chef Alexej Miller hat im September mit Südkorea und dem Iran Kooperationen ausgehandelt. Bei einem Treffen mit dem Präsidenten Venezuelas, Hugo Chavez, erörterte Präsident Dmitrij Medwedew zudem die Bildung eines internationalen Gaskartells. Die Idee einer solchen Gas-OPEC wird schon seit einiger Zeit von den Gas exportierenden Ländern diskutiert. Bisher jedoch bisher ohne konkrete Ergebnisse.


Kommentare (0)
pages:

ONLINE-ABO Was ist Druckversion  ?
ID-Nummer:
Anmelden!
ID-Nummer vergessen?





С 8 марта

Copyright © 2000-2006 MDZ.

Alle Rechte vorbehalten.
E-mail : mdz-online#martens.ru

Designed by: Web-Home.ru