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Mehr Nieten, mehr Gold, mehr dran
Von Moskau in die Provinz – europäische Modefirmen entdecken die russischen Regionen
MDZ 2008-10-01
Autor: Christine Auerbach
Foto: Christine Auerbach
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Der Bekleidungsmarkt in Europa stag­niert - in Russland sind westeuropäische Marken jedoch immer noch gefragt. Auf der Modemesse „Collection Premiere Moscow“ (CPM) Mitte September präsentierten sich deshalb vor allem die Länder Europas mit ihren Kollektionen. Doch auch im Textilbereich ist zu spüren, was schon für andere Branchen gilt: Wer in Russland weiterhin Erfolg haben will, muss in die Regionen. Deren neue Einkaufszentren wollen eingekleidet werden. Am besten mit großen Namen, Marken und internationalen Brands.



Peter Steinmetzer sitzt an seinem Stand und wartet. Viel ist noch nicht los bei ihm und seinen Lederjacken. Er ist zum ersten Mal auf der Messe im Moskauer Expocenter, die Kunden kennen ihn noch nicht, gehen lieber zu den großen Namen ein paar Stände weiter. Steinmetzer vertreibt Ledermode für „best-ager“, also Damen und Herren ab 40 Jahren aufwärts. Zu Hause in Deutschland, sagt er, sei nur noch bei dieser Zielgruppe etwas zu holen, alle anderen gäben für Mode kein Geld mehr aus. Deshalb versucht Steinmetzer jetzt das Geschäft in Russland: „Auch wenn ich keine Ahnung habe, was mich hier erwartet.“



Wie dem Ledergrossisten aus Köln geht es vielen deutschen Modelabels. Während der vier Messetage präsentieren sich große Namen wie „Lagerfeld“, „Madonna“ und „Bogner Jeans“. Aber auch kleinere wie eben Steinmetzer mit „Clan“ oder „Dresdner Herrenmode“. Nach wie vor wird in Russland der Großteil der Kleidung importiert, derzeit rund 80 Prozent, viele davon als Billigprodukte aus Asien. Nur ein Fünftel kommt aus einheimischer Produktion. Bei den europäischen Importen liegt Deutschland an zweiter Stelle, vor Frankreich und nach Italien. Im Jahr 2007 bestellten russische Händler für 2,5 Milliarden Euro Textilien aus der EU — rund zwei Drittel mehr Bestellungen als noch vor zwei Jahren.



Zwar lagen die Zuwächse bei den deutschen Kleiderexporten mit nur drei Prozent deutlich unter dem europäischen Durchschnitt — Italien zum Beispiel erzielte einen Zuwachs von 25 Prozent — doch sind die deutschen Hersteller auf der CPM optimistisch. „Russland ist für uns nach wie vor ein boomender Markt“, sagt Steinmetzer. Er ist mit Hilfe einer Agentur nach Moskau gekommen, die bereits mehrere Labels unter Vertrag hat. Das macht es einer kleinen Marke leichter, im Land publik zu werden, denn auf dem russischen Markt zählen bisher vor allem große, internationale Namen. „Man muss sich schon ein wenig aufplustern“, sagt Steinmetzer. „Es stürzen sich eben alle auf die großen Brands.“



Viele der Agenturen, die westeuropäische Händler vertreiben, agieren bisher vor allem von Moskau aus und konzentrieren sich beim Vertrieb auf die Hauptstadt. Doch dort stagnieren die Geschäfte. Die Händler, so das „European Fashion and Textile Export Council“ (EFTEC), beklagen vor allem, dass in Moskau „viel zu viel Ware im Handel liegt“. Dazu kommen erhebliche Kostensteigerungen für Mieten, Löhne und die allgemeine Preisinflation: In Moskau ist eine Situation entstanden, die der in Westeuropa ähnelt.



Der Weg vieler Importeure führt deshalb in die neu gebauten Einkaufszentren von Großstädten wie Jekaterinburg, Samara und Tscheljabinsk. Der Gang in die Regionen ist ein Trend, der sich durch alle Branchen zieht, nicht nur im Bekleidungsbereich. Doch gerade hier müssten sich in Zukunft die Vertriebskonzepte der Händler ändern und neben den Moskauer auch regionale Agenturen aufgebaut werden, so das EFTEC.



Ihre bisherigen Erfahrungen in Moskau und St. Petersburg dürften den Modeunternehmen aber auch in der Provinz weiterhelfen. „Für die Russen darf’s immer ein bisschen mehr sein“, sagt Steinmetzer. „Mehr Nieten, mehr Gold, mehr dran.“ Das gilt für alle Bekleidungsarten vom Hut bis zum Pelzmantel. Der hat in Russland sowieso noch bessere Chancen als in Deutschland — nicht nur, weil die Wintersaison hier deutlich länger ist: „Wenn kein Pelz drin ist, verkaufe ich hier nichts“, sagt Heinz Giesz, Verkaufsleiter des Frankfurter Pelzhandels „Rosenberg und Lenhart“. „In Deutschland ist Pelz ein Problem, hier ist er immer noch ein Statussymbol.“
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